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Camp Comox Valley 2008

Am 12. Juli kam ich in Comox auf Vancouver Island an.
Vorher hatte ich schon mit Kristin, der Betreuerin für die Freiwilligen, besprochen, dass sie mich dort abholt. Als ich aus dem Flugzeug kam, erwartete sie mich mit noch einer anderen Freiwilligen aus Wales.

Name:Eva JonasAlter:20 JahreEinsatzstelle:Camp Comox Valley 2008Inhaltliche Ausrichtung:Work with Ment/Phys Disabled

Ich wurde wirklich überaus herzlich empfangen und fühlte mich sehr willkommen. Mit mir kam noch eine andere Freiwillige an, die ich aber auf dem Flug nicht gesehen habe. Zusammen fuhren wir zurück, wobei Kristin extra einen Umweg nahm, um uns die Gegend zu zeigen und mit uns Obst und Gemüse einkaufen zu gehen.

Das Hostel,

in dem wir untergebracht waren, war wirklich sehr heimisch. Man kann sagen, dass es wie ein Wohnhaus mit mehreren Schlafzimmern war, aber Küche, Wohn- und Esszimmer haben sich alle geteilt. So kam es auch, dass man alle anderen Gäste, die oft nur ein zwei Tage da waren, oft im Wohnzimmer traf und sich nett mit ihnen unterhalten konnte. Die Küche war sehr groß und gut eingerichtet. Unser Schlafzimmer war relativ klein. In ihm standen 3 Hochbetten und wir hatten ein eigenes Badezimmer. 2 große begehbare Schränke mit Schließfächern waren auch vorhanden. Leider war unser Zimmer zur Straße raus, wodurch wir nachts die vorbeifahrenden Autos hören konnten. Die anderen beiden Freiwilligen wurden spät abends von Kristin vom Busbahnhof abgeholt. Sie ließ uns noch einige Sportgeräte und Geld da. Am Sonntag hatten wir Zeit uns kennen zu lernen und die Stadt zu erkunden. Courtenay ist eine wirklich hübsche kleine Stadt mit sehr viel Charme. Die anderen Freiwilligen waren alle englischsprachig. Katie und Chris kamen aus Wales und England. Aina und Andrew aus Vancouver und Thanh aus Toronto.

In der ersten Woche

haben wir von 9 bis 12 Uhr morgens an einer Vortragsreihe über Autismus teilgenommen, den Cary, die frühere Campleiterin gehalten hat. Diese Vorträge waren eher allgemein und aufklärend und nicht spezifisch für unser Camp, aber trotzdem war es unheimlich interessant und Cary konnte die ganze Problematik sehr anschaulich erklären, indem sie immer wieder Beispielgeschichten erzählte. Danach haben wir mit den neuen Campleiterinnen Kylie, Rebecca und Marika das Camp vorbereitet. Wir haben die Spiele geprobt und geübt, damit wir sie kannten und die Kinder unterstützen konnten. Außerdem haben wir den Raum vorbereitet, die Profile der Kinder besprochen und Sachen für ihre „Busy Baskets“ geholt.  Jedes der autistischen Kinder hat ein Profil, das für uns Betreuer sehr wichtig war, weil wir ihm entnehmen konnten, was die Kinder mögen und nicht mögen, wie sie reagieren, wenn sie einen „melt down“ haben und wie man sie wieder beruhigen kann. Am darauffolgenden Wochenende sind 2 der Leiterinnen mit uns Klettern gegangen, d.h. wir haben einen „Tree-go“ gemacht. Das sollte das Team-building fördern und hat wirklich sehr viel Spaß gemacht. Außerdem haben die Leiterinnen uns oft mit zu BBQs und Grillfesten mitgenommen, sodass wir uns sehr aufgenommen gefühlt haben und auch deren Freunde und Familien kennen lernen konnten. Das fand ich wirklich sehr nett und es hat mir viel bedeutet, weil ich auf diesem Wege noch sehr nette Menschen kennen lernen konnte.

In der darauffolgenden Woche begann das eigentliche Camp

und die Jugendlichen kamen dazu. Wir waren 11 Betreuer und 11 Jugendliche, so konnte jeder einem Jugendlichen zugeteilt werden. Das bedeutete nicht, dass wir die ganze Zeit mit diesem Jugendlich zusammen bleiben mussten, sondern nur, dass wir während Leerläufen so wie am Anfang und am Ende des Tages und während Fahrten auf sie aufpassen sollten. Außerdem sollten wir darauf achten, dass Aktivitäten und die anderen Leute um sie herum nicht zu viel für sie wurden, ansonsten sollten wir sie aus der Gruppe erst einmal heraus nehmen und ihnen eine Pause gönnen. Im Grunde waren diese Jugendlichen sehr umgänglich und wir hatten sehr viel Spaß mit ihnen. Man musste nur sehr geduldig sein und seinen Weg finden, mit ihnen zurecht zu kommen. Bei manchen musste man sich sehr oft wiederholen, anderen reagierten sofort und waren auch relativ selbstständig. Viele waren auch sehr aufgeschlossen und haben sehr viel erzählt, andere waren stiller, freuten sich aber dennoch, wenn man sich mit ihnen beschäftigte.

2 Wochen lang haben wir von 10 bis 16 Uhr unsere Zeit mit diesen Jugendlichen verbracht

und haben sehr viele Ausflüge unternommen. Es waren nur Jugendliche mit „high-functioning“ Autismus und dem Asperger Syndrom, d.h. dass alle sprechen und kommunizieren konnten und nur in manchen, vor allem in sozial-kommunikativen, Bereichen hatten sie so ihre Probleme, bei denen man ihnen aber auch helfen konnte. Sie waren wirklich sehr umgänglich und solange man zu dem stand, was man sagte, hielten sie sich auch gut daran. Mit ihnen zu arbeiten war wirklich kein Problem, aber dennoch interessant und spannend, weil jeder seine Eigenheiten und Besonderheiten hatte. Zum Beispiel redete einer immer über Filme und Geschichten, die andere umarmte alle unheimliche gerne und wieder ein anderer diskutierte am liebsten über hochinteressante Themen, wie die amerikanische Präsidentenwahl.

Die Leiterinnen hatten den Ablauf ganz genau geplant und waren auch immer zur Stelle, wenn es mal größere Probleme gab. Zum Beispiel habe ich einen Tag mit Carly verbracht und sie hatte einen wirklich schlechten Tag. Sie fühlte sich körperlich nicht gut und war deswegen schlecht drauf und zickig und quengelig. Eigentlich sollte sie an diesem Tag mit dem Sessellift hoch auf den Berg fahren und die Aussicht genießen, aber dadurch, dass sie nur gejammert hat, konnte ich sie irgendwann nicht mehr beruhigen und deswegen hat Kylie mir mit ihr geholfen. Die Arbeit der Leiterinnen war auf jeden Fall großartig und sie haben ein wundervolles Camp ermöglicht. Die Ausflüge mit den Jugendlichen und die Zeit mit ihnen war richtig toll und hat mich in meinem Wunsch bestärkt Psychologie zu studieren.

Das Camp war wirklich sehr gut und hat sehr viel Spaß gemacht.

Ich kann es jedem nur empfehlen, aber ich muss sagen, dass es schon ziemlich wichtig ist, dass man Englisch sprechen kann und versteht. Es muss nicht fließend sein, aber es ist sonst manchmal schwierig alle zu verstehen, vor allem die Vorträge und die Jugendlichen. Ansonsten sind alle wirklich herzlich und zuvorkommend gewesen. In dem Hostel fühlte ich mich sehr wohl, auch wenn es nach 3 Wochen zu sechst in dem Zimmer etwas eng wurde. Wir hatten auch immer genug Geld uns was zu essen zu kaufen und mussten auch nicht auf ein paar extra Süßigkeiten oder sonstiges verzichten. Es hat sich wirklich gelohnt!

Danke, dass ich diese Erfahrung machen durfte!

Ich erinnere mich wirklich unheimlich gerne daran und vermisse diese unglaublich einzigartigen Jugendlichen.

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