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Bringing the world to Newport

3 Wochen Amerika! 2 Wochen im Workcamp im Niemandsland von New Hampshire, 1 Woche in den großen Städten der Ostküste – Boston, New York, Washington D.C.! Ein Gegensatz der vielleicht nicht größer hätte sein können, der aber ebenso große Vorfreude bei mir auslöste!

Name:Lennart L.Alter:20 JahreEinsatzstelle:Hilfe in der Gemeinde NewportInhaltliche Ausrichtung:Arbeit mit Kindern & Renovierung

Ende Juli ging es dann los, von Düsseldorf über Manchester (UK) nach Boston, von dort zwei Stunden mit dem Bus nach New London (NH), der letzte Außenposten des öffentlichen Nahverkehrs bevor nur noch Autos fahren. Newport heißt das Ziel, 150 Meilen von der kanadischen Grenze entfernt, zwei Autostunden bis zum Atlantischen Ozean, knapp drei bis nach Boston Downtown.

Klischee USA?

Das erste Mal als Europäer in den Vereinigten Staaten und man versucht direkt die gängigen Klischees abzugleichen: Sieht es hier wirklich so aus, wie ich es mir vorgestellt habe? Sind die Straßen breiter und die Autos größer? Hängt in jedem Vorgarten eine amerikanische Flagge und trägt man seine Waffe offen mit sich herum? Viele dieser Fragen schwirren einem durch den Kopf - auf dem eistruhenartig-klimatisierten Flughafen, während der Busfahrt in die Provinz, im Auto auf dem Weg ins Camp – aber das erste, was wirklich hängen bleibt, ist, auch wenn es vielleicht dem Müdigkeitszustand nach einer 18-stündigen Reise geschuldet ist, die unglaubliche Weite und Schönheit der Natur. Wald, sanfte Hügel und Seen soweit das Auge reicht, durchtrennt von einzelnen Autobahnen, Straßen oder Feldwegen. Dazu die gerade untergehende und sich auf den Seen spiegelnde Sonne und wenig andere Fahrzeuge. Man möchte fast nicht ankommen, immer weiterfahren und dieses riesige Land erkunden. Das war einer meiner ersten, aber auch einer meiner nachhaltigsten Eindrücke, die ich in drei Wochen USA-Reise gesammelt habe.

Neun Nationalitäten und der gemeinsame Alltag

Wie sah dann der Alltag in den zwei Wochen in Newport aus? Man möge denken neun internationale Freiwillige aus Deutschland, Frankreich, Tschechien, Ungarn, der Türkei, Mexiko, Vietnam und Taiwan hätten das Leben in der nordamerikani-schen Kleinstadt-Idylle ganz schön auf den Kopf gestellt, aber dies war mitnichten der Fall. Das Gegenteil trifft eher zu, denn ein Teil der 6.500 Einwohner hat unser Leben ganz schön auf den Kopf gestellt. Das Interesse, uns in ihr Leben einzubinden, zu zeigen, was es bedeutet, US-Amerikaner in diesen Zeiten zu sein, war ungebrochen: Ob es raus zum Kanufahren an den See ging, ob es in die nahegelegenen White Mountains ging, ob es „einfach nur“ eine Einladung zum sonntäglichen Brunch mit ausführlichen Debatten war, wir waren überall dabei. Diese unglaubliche Begierde, uns in ihre Mitte aufzunehmen, könnte man sehr kritisch vielleicht als Diktat des American Way of Life sehen, für mich war es einfach eine enorme Gastfreundschaft. Und diese beruhte vor allem auf Gegenseitigkeit: Unter dem Motto „Bringing the World to Newport“ war es auch an uns, während dieses Zusammenlebens unsere Kultur, unser Land vorzustellen, sei es bei einem „community breakfast“, einer öffentlichen Vorstellungsrunde oder indem wir typische Spezialitäten aus unserer Heimat angeboten haben.

Unsere Arbeit

Um dieses Rahmenthema der „Versammlung der Welt in Newport“ wurde ein sehr abwechslungsreiches Arbeitsprogramm gebastelt. Meistens in täglich wechselnden Zweiergruppen haben wir entweder Renovierungsarbeiten in Schulen durchgeführt, in der Bibliothek mitgeholfen, Kinder während der von der Gemeinde organisierten Ferienfreizeit betreut oder im Theatercamp beim Texte-Einstudieren geholfen. Es waren sehr breitgefächerte Einblicke, die manchmal spannend, herausfordernd, körperlich anstrengend oder auch einfach nur beobachtend waren. Der späte Nachmittag war dann zur freien Verfügung gedacht, bis dann abends meistens zusammen gekocht und gespielt wurde oder noch eine der vielen Einladungen genutzt wurde. Dazu kam die große Flexibilität sich ins Workcamp-Auto zu setzen, Besorgungen zu erledigen oder zusammen essen zu gehen. Ähnlich große Freiheiten hatten wir auch in unserer Unterkunft, da wir aufgrund der Sommerferien in einer Schule schlafen konnten, die auch über einen richtigen Schlafsaal verfügte, der neben einem großen Aufenthaltsraum inklusive Küche war. Dazu kam ein sehr großes Budget – ermöglicht durch die breite lokale Unterstützung – sodass wir ein Verpflegungsangebot hatten, das allen Wünschen gerecht wurde, aber gleichzeitig die amerikanische Küche nicht zu kurz hat kommen lassen. So sind Bagel und Donuts zum Frühstück extrem schmackhaft, nach drei Wochen jedoch freut man sich auch wieder auf einen gehaltvollen Start in den Tag. Aber allein schon der Austausch über die unterschiedlichen Ernährungsweisen in unseren Kulturen war unglaublich bereichernd für mich. Selbstverständlich ging dieser Kulturaustausch über die kulinarischen Eigenheiten hinaus und bot mir, der bis jetzt „nur“ einen einjährigen Freiwilligendienst in Frankreich nach dem Abitur gemacht hat, die Möglichkeit endlich auch mal kulturell über den Tellerrand von Europa hinaus zu schauen und sich intensiv mit den anderen Freiwilligen auszutauschen.

Zwei Wochen, die im Flug vergingen

So sind diese zwei Wochen im Flug vergangen, Langeweile kam selten auf – wenn doch hat man einfach das hochsommerliche Wetter genossen – unterschiedlichste Erwartungen aller Teilnehmer an das Workcamp haben uns immer wieder ermutigt, uns ausführlich auszutauschen, Dinge anzusprechen etc., sodass es ein unglaublich lebhaftes Workcamp war. Diese Lebhaftigkeit kam vor allem aber auch durch die Menge an „Locals“ – ob Leute aus dem Seniorenverein, Grundschulkinder, denen wir unsere Länder vorgestellt haben, gleichaltrige Betreuer beim Sommerferienprogramm oder befreundete Familien der Organisatoren – mit denen wir diese zwei Wochen wirklich geteilt haben. So hat mir auch im Nachhinein bei meiner weiteren Reise an der Ostküste entlang der schiere Kontrast der Millionen-Städte zum schwach besiedelten New Hampshire gezeigt, wie wichtig ein intensiver Kontakt zu den Einheimischen ist, um ein Land wirklich kennen zu lernen. Das ist mir ganz sicher nach diesen drei Wochen noch nicht gelungen – die schiere Größe der USA sowie die regionalen Unterschiede lassen dies einfach nicht zu – doch dieses Workcamp war der Anreiz, dass ich nicht zum ersten und letzten Mal auf einem amerikanischen Flughafen gelandet bin.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.