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SOS-Kinderdorf in Armenien

Erst als ich am Flughafen alleine am Gate saß wurde mir so richtig klar, dass ich tatsächlich die nächsten drei Wochen in einem SOS-Kinderdorf in Armenien verbringen würde.
Armenien. Nicht gerade eines der beliebtesten Touristenziele. Warum also gerade dort hin?

Name:Perdita BurkertAlter:19 JahreEinsatzstelle:SOS-Kinderdorf, 2009Inhaltliche Ausrichtung:Kids

Die Entscheidung war innerhalb von Sekunden gefallen. Sobald ich „SOS-Kinderdorf“ in der Campausschreibung gelesen hatte, stand für mich schon fest, dass ich gerne dort hin wollte. SOS-Kinderdörfer haben mich schon immer fasziniert. Und warum nicht nach Armenien? Meine Eltern sahen das etwas anders. Sie waren anfangs nicht besonders begeistert von meiner Entscheidung und wollten sich erst einmal informieren, bevor sie ihre Zustimmung gaben. Der sehr positive Erfahrungsbericht des letzten Jahres hat ihnen die Entscheidung sehr erleichtert und so war ich wenige Wochen später für das Workcamp angemeldet.

 

Die Wochen vor dem Camp

Sie vergingen sehr schnell und ehe ich mich versah, saß ich auch schon im Flugzeug nach Armenien. Nach einer ziemlich ereignislosen Reise, landete ich in um fünf Uhr morgens in Eriwan und wurde dort von einem anderen Volunteer abgeholt, was ich ihm hoch anrechnete, angesichts der Uhrzeit. Mit dem Taxi fuhren wir dann ins SOS-Kinderdorf, wo wir etwa gegen sechs Uhr ankamen. Da alle anderen noch schliefen, wurde mir, weil ich als letzte angekommen war, schnell das einzig noch freie Bett bezogen und eine gute Nacht gewünscht. Ziemlich erleichtert endlich angekommen zu sein ging ich schlafen, um nur zwei stunden später vom Klingeln des Weckers geweckt zu werden. Nachdem ich sehr herzlich von den anderen Volunteers begrüßt worden war, begann dann mein erster Arbeitstag im Camp.

Der Tagesablauf

Mein erster Tag im SOS-Kinderdorf entsprach dem aller übrigen Tage, ausgenommen der Wochenenden, an denen wir nicht arbeiteten.
Um neun frühstückten wir zusammen auf der Terrasse. Alle Mahlzeiten wurden von uns selbst zubereitet. Jeden Tag gab es ein Cooking-Team, das sich um das Essen kümmerte und das Haus aufräumte. Alle anderen wurden um 10 Uhr von Artak erwartet, einem der Mitarbeiter des Kinderdorfes, der uns die Aufgaben für den Vormittag zuteilte.

Vormittags halfen wir dabei, das SOS-Kinderdorf in Stand zu halten. Wir schnitten Bäume, putzten Fenster, strichen Türen, den Spielplatz und nicht selten auch uns selbst. Um halb eins kehrten wir dann in das Haus zurück, in dem alle 18 Volunteers zusammen untergebracht waren und das wir ganz für uns hatten. Pünktlich um eins gab es Mittagessen und dann eine Pause bis um drei, in der alle versuchten zu duschen, da es sich vor dem Arbeiten nicht lohnte, danach aber dringend nötig war. Das Problem bestand einzig und allein darin, dass wir nur ein Badezimmer mit zwei Duschen hatten. So entstand immer ein kleiner Kampf um die Dusche, sodass das Bild einer vor dem Badezimmer Wache haltenden Person, die, sobald sich die Tür öffnet, ins Badezimmer stürzt, zu einem häufigen Phänomen wurde.

Von drei bis sechs sollten wir uns dann mit den Kindern beschäftigen. Ziel des Camps war es mit den Kindern eine Performance zu gestalten, die dann vor Publikum aufgeführt werden sollte. Jedes durch einen Volunteer vertretenes Land sollte dabei seinen eigenen Beitrag haben. Zu diesem Zweck teilten wir die Kinder in kleinere Gruppen ein. Es gab Gitarrenunterricht, in dem auch viele Kinderlieder aus den verschiedenen Nationen gesungen wurden, Deutsch- und Französischunterricht und die größte Gruppe, in der auch ich war, bot Tanzen an.

Obwohl wir eigentlich jeden Tag drei Stunden mit den Kinder für die Performance üben sollten, machten wir meist schon nach einer Stunde Schluss, da wir einfach alle viel zu sehr aus der Puste waren um den Kindern noch irgendwas beizubringen. Das freie Tanzen lief nämlich vor allem mit den kleineren Kindern  immer auf eine wilde Hopserei hinaus, die uns ziemlich schnell ins Schwitzen brachte, für sie allerdings nicht im Mindesten anstrengend war. Zum Glück schafften wir es trotzdem  rechtzeitig die gesamte Performance einzuüben.

Die Abende gehörten dann wieder uns. Wir haben sie mit gemeinsamem Singen und Tanzen in unserem Haus verbracht, da wir alle sehr Tanz begeistert waren, spätestens nach unserem Tanzunterricht mit den Kindern und neben einer Gitarre auch vier Gitarrenspieler aufweisen konnten. Wir haben uns unterhalten, Filme geguckt, gemeinsam die Spiele gemacht, die wir eigentlich für die Kinder mitgebracht hatten und die für Kinder zwischen drei und 12 waren und einmal auch Karaoke gesungen. Wir kamen alle wunderbar miteinander aus, was das Zusammenleben sehr angenehm gemacht hat und hatten viel Spaß miteinander.

An den Wochenenden hatten wir frei. Die Partnerorganisation hatte an ihnen ein Programm für uns vorbereitet, durch das wir nicht nur viel von Eriwan sahen, sonder auch einiges von der Umgebung. Wir haben verschiedene Kirchen und Museen besichtigt, haben in den Hügeln vor Eriwan gegrillt und einen Tag am großen Binnensee Sevan verbracht. Diese Ausflüge haben immer viel Spaß gemacht und die Armenier in unserer Gruppen haben sich große Mühe gegeben uns die armenische Kultur näher zu bringen und uns viel erklärt. Ohne sie wären wir tatsächlich ziemlich verloren gewesen. Ich bin mir nach wie vor nicht so sicher, ob es wirklich Fahrpläne oder auch nur ein System für die vier verschiedenen Sorten von Bussen in Eriwan gibt. Dazu kommt, dass nicht besonders viele Armenier Englisch sprechen. Den einzig englischsprachigen Führer hatten wir im „Völkermord Museum“ ansonsten hat einer der Armenier für uns übersetzt.

Erfahrungen

Für mich war die Zeit in Armenien unvergesslich und ich habe viele neue Erfahrungen gemacht. Der kulturelle Unterschied zwischen Deutschland und Armenien war dann doch größer, als ich am Anfang gedacht habe, vor allem was die Geschlechterrollen betraf. Die Erfahrungen damit waren vielleicht nicht immer positiv, aber auch sie haben halt dazugehört und mich auf jeden Fall toleranter gegenüber anderen Sichtweisen gemacht. Ich kann es einfach nur jedem empfehlen. Ich habe viele Freunde gewonnen und unendlich viel Spaß gehabt in diesen drei  Wochen.

 

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