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Lost in Qaanaaq, immaqa!

Direkt nach meinem Abschlusskolloquium ging es zum Flughafen, um am nächsten Morgen den frühen Flug zur Thule Air Base der Amerikaner zu erreichen. Nach dem 5h Flug folgte ein 40- minütiger Helikopterflug zum Workcamport Qaanaaq. Bis hierhin schon Abenteuer pur, wenn man mich fragt, aber die nächsten Wochen hatten noch so viel mehr Potenzial…

Name:Dominique C.Alter:24 JahreEinsatzstelle:Greenlandic Children - time of their lives 2014Inhaltliche Ausrichtung:Kids

Trotz der großen Bewerberzahl von fast 100 wurden die Kandidaten schnell über ihr Motivationsschreiben ermittelt. Das Finale „Yes, you’re accepted“, gab es jedoch viel später ca. 1 Woche vor Workcampbeginn, da die Amerikaner mit ihrem Security Check auf sich warten ließen.

 

Das Workcamp

auch „Camp Q“ genannt und das zum ersten Mal im nördlichsten Städtchen Qaanaaq stattfand, startete für uns nicht so gut, da fast alle von einer Krankheitswelle überfallen wurden. Bevor wir anreisten gab es einen Virus in der Stadt, den wir zugleich in der ersten Woche bei der Arbeit mit den Kindern zu spüren bekamen. Der dänische Doktor im Krankenhaus lernte uns somit ziemlich früh kennen. Medikamente gab es kostenfrei nach Hause. Dennoch genossen wir alle unsere Zeit in Qaanaaq!

Isoliert von der Zivilisation

zwischen Fluss und Flughafen, Meer und Gletscher empfand ich die Umstellung nicht sonderlich schwierig, da man mit einer 19- köpfigen Gruppe genug Aktivitäten (Kernlernspiele, abendliche Unterhaltungen, Tischkicker, usw.)  und genügend Beschäftigung fand. Der Kulturschock entstand jedoch als wir zurück in Kopenhagen ankamen: viel Verkehr, viele fremde Gesichter, nicht die einzige (deutsche) Muttersprachlerin und vor allem die Dunkelheit (in Qaanaaq gibt es im Sommer keine dunkle Minute! Für einige stellte diese Umstellung eine große Hürde für einen erholsamen Schlaf dar). Man kann an dieser Stelle zumindest ein wenig nachempfinden, wie Grönländer sich fühlen müssen, wenn sie das erste Mal in Dänemark in das Städteleben einreisen.

Das Team

Die Campleiter waren die engagierte Nadja (Dänemark), Bebbie und Jens Pele (Grönland), Projektleiterin Gunver, die dieses Projekt zum Leben erweckt hat, sowie die Freiwilligendienstleistenden Ellen (Finnland), Laurie und Tracy (Frankreich), France-Emmanuel (Belgien), Orkan und Emre (Türkei), Chris (Vereinigte Staaten), Ena (Italien), Isabelle (Kanada), Adriana (Spanien), Sarah (Dänemark), Josephine (Schweden), Shien (Taiwan), Emily (Griechenland) und meine Wenigkeit aus Deutschland.

Die Unterkunft

war im Vergleich zu meinen bisherigen Workcamperfahrungen luxuriös. Zweibettzimmer mit allem ausgestattet. Im Sommer werden Nahrungsprodukte und Kleidung aus Dänemark mit Container auf Schiffen eingeliefert. Es gab ab und zu Obst zu kaufen, Joghurt ging z.B. nach der ersten Woche aus. Aber wir hatten definitiv (zu) viel Nutella konsumiert…

Einblicke in Grönlands Kultur

Wir gewannen einen tiefen Einblick in die grönländische Kultur. Hier hoch im Norden werden noch traditionell mit Harpune Narwale und Robben gejagt. Zwei grönländische Campleiter übersetzten häufig, vor allem am Anfang des Tages, den Tagesablauf für die Kinder. Wir waren jedoch nicht zu selten darauf angewiesen in Zeichensprachen zu kommunizieren (nach Workcampbeschreibung waren wir darauf auch vorbereitet). Abgesehen davon, dass es eine wundervolle Herausforderung war, sind die Kinder sehr gut darin, wenn nicht sogar besser als wir Freiwillige.

Unsere Aufgabe

bestand darin, Aktivitäten mit den Kindern durchzuführen. Dazu standen uns die weitaus besser als von mir erwartet ausgestattete Schule und eine Sporthalle zur Verfügung. Von 12 bis 18 Uhr montags bis freitags stellten wir ein Programm zusammen, wobei es auch eine Lunchpause um 14.30 Uhr gab. Die Vielfalt erstreckte sich über diverse Sportarten, Musik- und Theaterworkshops sowie Kreatives im Bereich Basteln, Handarbeiten und Erstellung von Armbändern etc. Ebenfalls bereiteten wir jeden Samstag eine Veranstaltung in der Sporthalle für die gesamte Stadt vor. Am ersten Samstag stellten wir uns mit unserer Kultur vor (z.B. in Form von Essenspezialitäten). In den darauf folgenden lernten wir ihre Polka und traditionelle Musik mit Tanz und ihre traditionelle Kleidung kennen.

Negative Seiten


Erschreckende Tage sind der "pay-day" in Grönland, an dem Geld ausgezahlt und fleißig getrunken wird. Alkohol ist ein großes Problem in dieser Gesellschaft weswegen in dieser gesamten Woche Kinder ungern oder gar nicht nach Hause gehen.
Auf den dritten Campleiter, der aus einer anderen Stadt in Grönland zu uns stoßen sollte, mussten wir geduldig warten. Sein Flug wurde täglich gestrichen und verlegt wegen schlechter Wetterbedingungen. „Tomorrow they try again. Immaqa (vielleicht)“. Die Fluggesellschaft Air Greenland könnte auch Air Immaqa genannt werden.

Grönlands Geheimnisse


Zusätzliches Programm für uns Freiwillige waren die zweistündige Wanderung zum Gletscher, Bootsausflug (den wir selbst bezahlen mussten), Treffen mit der Expedition „Under the pole“ auf ihrem Segelboot, Museum, Filmabend über Pituffik, Einladungen zu kaffemiiks (whale, trout usw. wurden zum Essen angeboten, mamartoq (köstlich)!!).

Bleiben wir noch länger?

Als der Abreisetag näher rückte, merkte man die Angespanntheit vieler Teilnehmer und Campleiter an, „Wird der Helikopter fliegen?“. Das Wetter war zugegebenermaßen an diesem Tag sehr wechselhaft, selbst der Pilot sagte, dass er in diesem letzten Monat nur zwei sonnige Tage gesehen hat: bei unserer An- und Abreise. Bei der Rückreise nach Kopenhagen gab es nach dem Helikopterflug noch Rundfahrten mit einem Minibus auf der Thule Air Base mit kostenfreien Abendessen, Frühstück und Einzelzimmer für eine Nacht. Der Besuch der Bar hat sich ebenfalls gelohnt ;)

Einfach unvergesslich. Das Wort „besonders" beschreibt dieses Projekt nicht ausreichend. Trotz meiner Mittelohrentzündung am Ende des Workcamps bereue ich keinen Tag an diesem außergewöhnlichen Workcamp teilgenommen zu haben.


Ein Kind teilte uns mit, dass er durch uns neue Lebenshoffnung gewonnen hat. Eines der größten Ziele, die man sich durch ein Workcamp nur erhoffen kann.

qujanaq und takuss!!
Dominique


P.S.: Das Projekt ist eine riesengroße Aktion der dänischen Association Greenlandic Children, von der regelmäßig in der Zeitung berichtet wurde. Die englische Version der Blogeinträge und Links, die auch professionelle Bilder (eine Fotographin wurde angestellt) enthalten, sind auf dem folgenden Blog zu finden
greenlandcampq.blogspot.com
u. a. wurde mit dem Song „Happy“ ein Video gedreht.

 

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.