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Estonia 2015

Der absolut grausamste Moment war, als das Flugzeug zum Rückflug abhob und ich Estland noch einmal von oben sah. Bauchkrämpfe und Tränen wie ein Wasserfall.

Mein Sitznachbar fragte „ Are you afraid?“ und ich antwortete „No, I just don't want to leave the country.“

Name:Jana H. aus DeutschlandAlter:17 JahreEinsatzstelle:The municipality of NovaInhaltliche Ausrichtung:Environment, Construction

Ich hatte mir vorgenommen einen unvergesslichen Sommer zu erleben und ein Abenteuer unternehmen. Was am Ende daraus geworden ist, hätte ich mir nicht besser erträumen können.

 

Estonia 2015

Vier Wochen vor meiner Reise hatte ich das Wort „workcamp“ noch nie gehört. Doch als ich dann endlich darauf stoß, versank ich in fieberhaften Recherchen. Dann ein kurzes Telefonat und ein paar Mails und es stand fest, dass es mich nach Estland verschlagen würde.
Zwei Wochen später saß ich das erste Mal in meinem Leben in einem Flugzeug, alleine und ich hatte keine Ahnung, was mich da erwarten würde, wo es mich hinbrachte.

"Kidnapping"...

Mitternacht, voller Vorfreude in Tallinn angekommen steige ich ins Auto des pick-up-services des Camps. Was ich im kurz vorher noch als besonderes nette Aufmerksamkeit beurteilt hatte, wandelte sich schnell in potenzielles Kidnapping.

Die ersten Begegnungen...

Es folgte eine Nacht im Hostel, Tallinn auf eigene Faust erkunden, dann gespanntes Warten am Treffpunkt (verlassene Turnhalle), und meine Erleichterung ist groß, als Sofia (Italien) um die Ecke kommt. Wenig später dann auch Sam (Frankreich). Ich denke,  wir waren alle sehr froh uns gegenseitig zu sehen. Und schließlich konnten wir darüber lachen, dass wir alle den Abholservice ein bisschen gruselig fanden.

Impressionen...

Mit der Zeit wurde unsere Gruppe vollständig (gut 25 Menschen) und nach einer Nacht in der Turnhalle fuhren wir zum Camp. Es lässt sich einfach nicht alles zusammenfassen, daher hier ein paar Eindrücke:
wunderschöne unberührte Natur
nachts durchgefroren aufwachen
bei Sonnenaufgang zum Strand joggen, Frühsport, Schwimmen (Achtung Sportcamp!)
Abende am Lagerfeuer
Trampolin springen am Strand
volles Programm (Kletterpark, Paintball, Exkursionen,...)

Highlights...

Blaubeeren Pflücken im schönsten Wald,
Nachts unterm schönsten Sternenhimmel Fahrrad fahren
und Jetski fahren am schönsten verlassenen Strand ;)

Die Arbeit...

Im Vordergrund standen Spaß und Aktion, war ja auch ein Teencamp, die Freiwilligenarbeit lief eher nebenher. Wir halfen hauptsächlich alten Menschen Holz zu transportieren und zu stapeln, dann bastelten wir einen Adventskalender für Kinder und einen Tag mussten wir sogar Fugen kratzen.

Eine innere Entwicklung...

Was aber für mich das absolut Beste war, war die Menschen kennenzulernen.
Ich war die einzige aus Deutschland, aus den anderen Ländern Frankreich, Italien, Portugal und Estland kamen immer min. fünf Personen pro Land. Zunächst mochte ich die Situation nicht allzu sehr, aber sie entpuppte sich als vollkommen unproblematisch.
Ich habe wirklich noch nie zuvor so viele tolle Menschen auf einem Fleck getroffen. Jeder hat sich für jeden interessiert. Die Atmosphäre war unbeschreiblich. Wir hatten eine Menge Spaß.
Während englisch sprechen in den ersten Tagen noch ungewohnt war, wurde es später vollkommen selbstverständlich. Der Altersunterschied von 14 bis 22 war nur dann bemerkbar, als wir feststellten, dass er praktisch gar keine Rolle spielt.

Freundschaften...

Ich bin stolz, jetzt sagen zu können, dass ich eine sehr gute Freundin in Frankreich habe und einen sehr guten Freund in Portugal, ganz zu schweigen von fantastischen Freunden in Italien und anderen Regionen Frankreichs.

Es ist nicht gelogen,wenn ich sage, dass das die bis jetzt schönsten 2 Wochen meines Lebens waren.

Zum Abschied gab es eine Menge herzhafte Umarmungen und Küsse.

Der Schockmoment...

Der wohl grausamste Moment war, als das Flugzeug zum Rückflug abhob und ich Estland noch einmal von oben sah. Bauchkrämpfe und Tränen wie ein Wasserfall. Mein Sitznachbar fragte „ Are you afraid?“ und ich antwortete „No, I just don't want to leave the country.“

Wie friedlich es war...

Als ich wieder zurück in Deutschland war und jemanden meckern hörte, war ich vollkommen überrascht. Das hatte es zwei Wochen lang gar nicht gegeben.

Sehnsucht...

Das Camp ist mittlerweile einen Monat her und ich vermisse die Zeit immer noch schrecklich doll. Es zerreißt mit das Herz zu wissen, das all die Leute die ich so gern gewonnen hab nun in ganz Europa verstreut sind. Ein Trost ist, dass wir regelmäßig skypen. Das geplante Wiedersehen kann ich kaum erwarten.

 

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