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Mein drittes Camp in diesem Sommer. Dank Google Maps wusste ich immer ungefähr, wo ich hin musste. Was mich aber nicht davon abhielt, trotzdem ständig in die falsche Richtung zu laufen...

Name:Jonna M.Alter:23Einsatzstelle:SchuleInhaltliche Ausrichtung:Kids

... Endlich im Bus, ging es dann raus aus Athen, rein in ländliche Gefilde. Auf der einen Seite die Berge, auf der anderen das Wasser. Allerdings konnte man der Umgebung auch die Finanzkrise ansehen. In Aspropyrgos ausgestiegen, musste ich nur noch die Schule finden, in der wir für dieses Sommercamp untergebracht wurden. Ich lernte unsere Teamleiterinnen und die Technical Leaderin kennen. Diese hat in Deutschland gelebt. Es war ganz ungewohnt, sich mal wieder auf Deutsch zu unterhalten. Meine Sachen habe ich in einem Klassenzimmer abgelegt, in dem wir schlafen sollten. Eigentlich hatten wir zwei zur Verfügung, entschieden uns aber alle für dieses. Wir wollten uns nicht aufteilen und außerdem hatte der Raum eine Klimaanlage (das war Gold wert). Eine der Teamleiterin zeigte mir die Waschräume. Ich hatte im Infosheet schon gelesen, dass es nur kaltes Wasser gibt. Das war auch nicht das Problem. Das Problem waren die Toiletten. Die gab es nämlich nicht. Jedenfalls nicht das Modell, das ich kannte. Es war ein Loch im Boden, über das man sich „stellen“ sollte. Klopapier durfte auch nicht rein geschmissen werden. Wir bastelten gleich ein paar schöne Schilder, um dies zu verhindern. Doch keine Sorge, man gewöhnt sich dran. Nach und nach trudelten die anderen ein. Unter ihnen zwei Südkoreaner, eine Italienerin, eine Finnin, zwei Afghanen, eine Griechin, eine Mexikanerin und eine Spanierin.

Die ersten Tage galten der Planung. Zur Seite standen uns vier Pädagoginnen, welche wir jeweils zu zweit, unterstützen sollten. Auf dem Schulhof standen kleine Hütten, die wir aufräumten und vorbereiteten. Wir machten ein paar Kennlernspiele und zu Beginn der Woche ging es los. Morgens kamen die Kinder und wir spielten erst einmal mit ihnen. Sie waren noch sehr schüchtern, tauten aber schnell auf. In den Gruppen bastelten wir Namensschilder, malten und stellten uns vor. Die Pädagogen übersetzten. Die Sprachbarriere war zwar da, aber gar nicht so schlimm. Wir bekamen einen Vokabelzettel mit den wichtigsten Wörtern (Guten Morgen, nein, komm her, setzt dich) und ansonsten verständigten wir uns mit Zeichensprache. In der Pause wurde für alle Kinder und uns etwas zu essen geliefert. Die Mittagssonne machte die Pausenaufsicht draußen schwer, Schattenplätze waren sehr beliebt. Danach ging es wieder in die Klassen und es wurde gesungen oder Spiele gespielt. Die Kinder waren alle im Grundschulalter und die meisten sehr lieb. Unter ihnen gab es natürlich ein paar sehr freche, aber das kann auch unterhaltsam sein. Ich hatte leider die Aufgabe des Springers, d.h. ich war jeden Tag der Gruppe zugeteilt, in der die Person aus dem Koch-Team fehlte. Es war sehr anstrengend, jeden Tag „die Neue“ zu sein. Andererseits konnte ich so alle Kinder kennenlernen und mit jeder Pädagogin arbeiten. Am Ende habe ich sogar auch ein paar selbstgemalte Bilder bekommen. Gekocht haben wir immer in zweier Teams. Wir hatten dann den Tag frei und mussten dafür die Tische auf- und abdecken, abwaschen, kochen und den Schlafsaal fegen. Mittag gab es, sobald die Kinder abgeholt wurden.

In unserem Ort, war leider nicht sehr viel zu entdecken und alleine sollten wir uns auch nicht auf den Weg machen. Das war etwas schade, da wir uns hauptsächlich in der Schule aufhielten. Aber nachmittags war es eh zu warm, um sich draußen aufzuhalten. Deswegen vertrieben wir uns die Zeit mit Kartenspielen oder schlafen. Das war auch wichtig, denn erst abends, als es abkühlte, haben wir Ausflüge gemacht. So waren wir zum Beispiel in einem Park oder in Athen. Die Fahrten dorthin waren leider sehr zeitaufwendig und so kam es, dass wir meisten erst gegen 23 Uhr Abendbrot aßen. Man bekam ein ganz neues Zeitgefühl.

Am Wochenende sind wir morgens los und zum Strand in Athen gefahren. Wir haben dort den ganzen Tag verbracht. So klares, warmes Wasser, sah ich zum ersten Mal. Wir hatten viel Spaß und sahen abends noch die Sonne hinter den Bergen untergehen. Danach sind wir zu einer der Teamerinnen nach Hause und haben dort alle geschlafen. Ein paar von uns, haben es sich auf der Dachterrasse „gemütlich“ gemacht.

Mit den Kids probten wir ein kleines Theaterstück und bastelten Kostüme, denn am Ende wurde ein Familienfest veranstalten, wo die Eltern sehen konnten, was wir mit den Kinder auf die Beine gestellt haben. Die Eltern dankten uns und als alle gegangen waren, drehten wir die Musik auf und tanzten auf dem Schulhof. Das Theaterstück handelte von Umweltschutz, da es dazu in Griechenland noch viel Nachholbedarf gibt. An den Stränden und in der Stadt, liegt sehr viel Müll und Firmen pumpen Schadstoffe ins Meer. Ein heikles Thema, da eine dieser Firmen Sponsor des Camps ist. Aber es macht einem auch klar, wie wichtig es ist, Umweltschutz noch weiter zu betreiben und, dass der Standard keineswegs überall gleich ist.

Es gibt in Griechenland auch sehr viele Straßenhunde. Eine große, schwarze, blinde Hündin folgte uns überall hin. Sie hatte ihren Welpen dabei, der leider nach ein paar Tagen verloren ging. Wir machten uns Sorgen, dass ihm etwas passiert sei. Doch nach dem Camp bekamen wir eine Nachricht, dass „Uku“ wieder zurück gefunden hat und wohlauf ist.

Der letzte Tag begann für mich schon sehr früh. Mein Flug ging gegen acht Uhr morgens und die Fahrt zum Flughafen nahm etwas Zeit in Anspruch. Gegen fünf Uhr und 28°C draußen, machte ich mich auf den Weg. Am Tag zuvor verabschiedeten wir uns von den Kids mit einer großen Wasserschlacht. Als ich am Flughafen ankam, ging gerade die Sonne auf und mir wurde das Herz etwas schwer.

Das Workcamp ging sehr schnell vorbei und ich kann es nur jedem empfehlen! Ich hoffe, nächstes Jahr wieder eins machen zu können. Meine Schwester holte mich vom Flughafen in Hamburg ab, am HBF traf ich meine Mutter. An diesem Tag war Schlagermove in HH, das ließen wir uns nicht entgehen.

 

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