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Eine Erfahrung, die mein Leben verändert hat

Mit gemischten Gefühlen klicke ich auf "am workcamp teilnehmen". Warum ich das mache? Weil ich gerade nicht so richtig weiß, was ich in meinem Leben erreichen will, weil ich mich selbst von einer anderen Seite kennenlernen möchte, weil ich mir gerne mehr selbst vertrauen würde.

Name:Christoph S.Alter:21 JahreEinsatzstelle:LlespInhaltliche Ausrichtung:Umwelt und interkultureller Austausch

Es ist zwar schon das zweite Mal, dass ich an einem workcamp teilnehme, doch trotzdem lassen mich die Bilder und Erwartungen im Kopf nicht los. Wie werden die anderen zu mir sein? Schaffe ich es, mich gut in die Gruppe zu integrieren? Bin ich bereit dafür? Kann ich einfach ich selbst sein oder muss ich eine Rolle spielen, die anderen gefällt?

Das kennen lernen ohne sich zu verstellen

Teilnahme akzeptiert, Flug gebucht, Bus gebucht, angekommen. Wow, in mir brodelt es, als ich die vielen neuen Gesichter sehe und am Verhalten der anderen sehe ich, dass es denen nicht anders geht - unvertraute Blicke, verlegenes Händeschütteln, Smalltalk Gespräche und schüchterne Gesichter. Jeder auf seine Art, jeder anders.. Die Vorstellungsrunde - eher zurückhaltend, eher vorsichtig, keiner möchte sich zu weit aus dem Fenster lehnen, keiner möchte besonders auffallen, wilde Blicke zum Nachbarn und zurück zu sich. Doch nun merke ich, dass ich nicht alleine bin. Mein Geist entspannt sich, ich versuche ganz ich selbst zu sein und zu sagen, warum ich hier bin - und wow - das ist gar nicht so leicht, wenn man versucht voll und ganz man selbst zu sein ohne irgendwas zu spielen. Ich tue mein bestes und mache mir auch unbewusst Bilder von anderen, die sich gerade vorstellen - er ist eher so der Macho, sie ist eher so die Zielstrebige, er ist er so der Entspannte - Fehlanzeige.

 

Das Vertrauen wächst

In den nächsten Tagen lernen wir uns so langsam kennen, meine Bilder der anderen erfüllen oder verändern sich komplett, in einzelnen kleinen Arbeitsgruppen arbeiten wir an einem Waldpfad, hören währenddessen Musik, unterhalten uns - immer mehr auf vertrauter Ebene. Noch nie in meinem Leben zuvor habe ich so verschiedene Charaktere, so verschiedene Kulturen und so verschiedene Gesichter an einem einzigen Ort, in einem einzigen kleinen Dorf gesehen. Stundenlang könnte ich Shinji Fragen stellen, ein etwas schüchterner Japaner, der das erste Mal alleine reist und immer noch sichtlich aufgeregt ist. Genauso lange könnte ich Ozan aus Istanbul zuhören, in dessen Gesellschaft ich lange nicht mehr so viel und so ehrlich gelacht habe. Und genauso lange könnte ich auch Sheridan in den Arm nehmen, der Belgier mit schwerer Vergangenheit hat seinen Humor und seine unglaubliche Authentizität nicht verloren. Er war der erste, zu dem ich eine Vertrauensbeziehung aufbauen konnte, denn ich begleitete ihn an einem der ersten Tage mit meiner Gitarre, während er selbstgeschriebene Texte über seine Vergangenheit rappte. Das Vertrauen wächst in den nächsten Tagen immer mehr und schließlich traue auch ich mich in ruhiger Minute mit anderen über meine Ängste und Sorgen, aber auch positiven Erfahrungen zu sprechen - und treffe dabei auf interessierte Ohren und großes Mitgefühl. Die nächsten Tage lernen wir uns immer besser kennen, es bilden sich Freundschaften in unglaublich kurzer Zeit. Man entdeckt sich selbst immer wieder neu, da die anderen immer wieder Seiten an dir aufdecken,  von denen du selbst nicht wusstest, dass du diese hast.
So flogen diese intensiven zwei Wochen Workcamp an mir vorbei und hinterließen Spuren, die ich immer bei mir tragen werde. Danke dafür. 

 

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