Für die Unteilbarkeit der Menschenrechte und einen gerechten Frieden im Nahen Osten

Zwei Jahre nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas vom 7. Oktober 2023 mit über 1.200 ermordeten Israelis, der Entführung von 250 Geiseln und dem folgenden entgrenzten Krieg der israelischen Armee mit über 60.000 Toten und massivsten Zerstörungen der Lebensgrundlagen der Menschen in Gaza, nähren die aktuellen Entwicklungen vorsichtige Hoffnung auf einen stabilen Waffenstillstand und einen möglichen Frieden in der Region.

17.10.2025

Zwei Jahre nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas vom 7. Oktober 2023 mit über 1.200 ermordeten Israelis, der Entführung von 250 Geiseln und dem folgenden entgrenzten Krieg der israelischen Armee mit über 60.000 Toten und massivsten Zerstörungen der Lebensgrundlagen der Menschen in Gaza nähren die aktuellen Entwicklungen vorsichtige Hoffnung auf einen stabilen Waffenstillstand und einen möglichen Frieden in der Region.

Als Verein, der sich seit über 75 Jahren mit Workcamps und internationalen Begegnungen für den Frieden einsetzt, begrüßen wir alle Maßnahmen, die zu einer Beendigung des Krieges beitragen und appellieren an die Bundesregierung und die Europäische Union, sich für eine sofortige Beilegung des Konflikts unter Einbeziehung der Vereinten Nationen einzusetzen.

Hierzu gehört auch der dauerhafte Verzicht auf Waffenlieferungen an die israelische Regierung, soweit diese auf völkerrechtswidrige Art und Weise eingesetzt werden könnten. Stattdessen müssen die schnelle Lieferung von Hilfsgütern an die notleidende und von extremem Hunger betroffene Bevölkerung in Gaza und der Wiederaufbau höchste Priorität haben.

Wir unterstützen die Forderung an die Bundesregierung, sich verstärkt für die Untersuchung  der schweren Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht, internationaler Menschenrechtsnormen und der rechtlichen Verpflichtungen, die sich aus der Genozidkonvention ergeben, durch den Internationalen Gerichtshof einzusetzen. Verbrechen müssen konsequent geahndet und die Verantwortlichen müssen zwingend zur Rechenschaft gezogen werden. 

Um eine nachhaltige Friedenspolitik zu ermöglichen, sollte zivilgesellschaftliches Engagement gestärkt werden. Hier schließen wir uns den Forderungen im „Expertenpapier für eine nahostpolitische Wende“ von Dr. Muriel Asseburg, Philipp Holzapfel und 170 weiteren Unterzeichner*innen vom 02.10.2025 an.

Die Zivilgesellschaft spielt eine entscheidende Rolle bei der Förderung von Friedensvisionen und der Gestaltung des öffentlichen Diskurses. Die Bundesregierung sollte ihre Unterstützung für zivilgesellschaftliche Akteure erhöhen, zum Beispiel israelisch-palästinensische Initiativen, die auf Gleichberechtigung und gegenseitiger Anerkennung basieren. Menschenrechtsaktivist*innen vor Ort müssen unterstützt und vor Repression geschützt werden. Wir rufen dazu auf, den Stimmen eine Bühne zu geben, die sich weiterhin mutig für Frieden einsetzen und Menschenrechtsverletzungen aufdecken und benennen.

Als Verein, der über viele Jahre Freiwillige in Projekten in Israel, Palästina und Jordanien entsendet und begleitet hat, sind wir bereit, in Abstimmung mit unseren Partnerorganisationen in der Region einen Beitrag zum Wiederaufbau und zur Unterstützung von Initiativen zu leisten, die sich für eine Verständigung auf Augenhöhe und einen gerechten Frieden einsetzen. Zur Herstellung eines gerechten Friedens gehört es auch, die rechtswidrige Besetzung palästinensischer Gebiete und die israelische Siedlungspolitik zu beenden und ernsthafte Bemühungen für die Umsetzung der Zwei-Staatenlösung oder anderen Ansätzen zu unterstützen, die allen Menschen in der Region das Existenzrecht sichern und ein menschenwürdiges Leben in Selbstbestimmung, Sicherheit und Freiheit ermöglichen.

Das Bekenntnis zur deutschen historischen Verantwortung bedeutet, Antisemitismus zu bekämpfen, jüdisches Leben zu schützen und sich universell für Menschenrechte einzusetzen. Die Kritik an der israelischen Kriegsführung darf nicht als antisemitische Gesinnung diffamiert werden. Genauso wenig dürfen Jüd*innen allgemein mit der israelischen Regierung und ihrer Politik gleichgesetzt werden. Es ist unerträglich, wenn im Jahr 2025 wieder Menschen in Deutschland Schilder an ihren Geschäften anbringen, die Jüd*innen den Zutritt verbieten sollen, wie jüngst in Flensburg geschehen. Ebenso unerträglich ist es, wenn antimuslimischer Rassismus befördert und Palästinenser*innen in Deutschland pauschal unterstellt wird, das Existenzrecht Israels infrage zu stellen oder antisemitisch zu sein. Das Grundrecht, die Solidarität mit der palästinensischen Zivilbevölkerung in Demonstrationen zum Ausdruck zu bringen, darf nicht beschnitten werden.

Es ist uns als Bildungsträger ein Anliegen, Menschen dazu zu befähigen, Unrecht klar zu benennen und unsere Solidarität mit den Betroffenen zu bekunden. Die komplexe Gemengelage des Nahostkonflikts und die hohe Emotionalität in der politischen Auseinandersetzung darüber, führt  auch dazu, dass sich Menschen aus der Diskussion zurückziehen. Wir setzen uns dafür ein, Empathie für die Opfer auf allen Seiten zu zeigen, ihre Traumatisierungen wahr- und ernstzunehmen und Raum für kritische Zwischentöne in einer aufgeheizten Debattenlage zu schaffen. Dafür ist es zentral, dass weiterhin Begegnungen zwischen jüdischen, arabischen, muslimischen sowie aller anderen Personen gezielt gefördert werden und ein Raum für Austausch und Gespräche geschaffen wird und erhalten bleibt.
 

Finde deinen Dienst!